Homestate

„Born and raised in…“, so beginnt praktisch jeder Amerikaner, wenn man ihn fragt, woher er denn sei. Born and raised in Iowa, born and raised in Connecticut, born and raised in irgendwo. Und auch wenn viele junge Amerikaner im College-Alter aus ihrem „born and raised“-Staat wegziehen und irgendwo im Land ihr Studium beginnen, so ist es doch auffällig, mit welchem Stolz viele ihren Heimatstaat an die grosse Glocke hängen. Sei es in Form von Football Team-Shirts, Autoaufklebern oder Baumwoll-Hoodies. Ich habe mich bei uns in der Schweiz gar nie gross darauf geachtet. Haben wir denn auch einen so dominanten Kantönli-Geist? Laufen wir auch alle mir Aargauer-, Züri- oder Walliser-T-Shirts und Pullis rum? Zugegeben, ich behaupte jeweils gerne, dass meine „Wurzeln“ in „Lozärn“ lägen, wenn mich jemand auf all meine „ää’s“ anspricht. Etwas enttäuscht habe ich aber vor etwa einem Jahr festgestellt, dass ich wohl doch nicht ganz als waschechter „Lozärner“ durchgehen würde. Ein richtiger Lozärner, dem ich in Züri über den Weg lief, fragte mich aus heiterem Himmel: „besch usem Aargau, gäu?“

Your point being? … Ach ja, mein Punkt. Was ich sagen wollte: hier in den USA ist der Heimatstaat ein wichtiger Teil der persönlichen Identität. Ob man aus Texas, Idaho oder Wyoming kommt, ist von grosser Bedeutung, und wird daher auch allen Interessierten und nicht-Interessierten auf diversen Wegen mitgeteilt. Nun, auch ich habe mich dahingehend amerikanisiert und stolz einen „Flagstaff Arizona“ Kleber auf meinen Subaru geklebt. Und, wann immer ich in einem „fremden“ Staat einem Auto mit einer „Grand Canyon State“-Nummer begegne, fühle ich mich ein klein Wenig verbunden (cf. Roadbuddies…). Soweit bin ich zwar noch nicht, dass ich irgendwelchen Leuten hier erzählen könnte, ich sei „born and raised in Arizona“. Das lässt mein Akzent nach wie vor nicht zu, obwohl mir vorgestern zum ersten Mal jemand nach einer mehrminütigen Unterhaltung sagte: „Oh, Switzerland, really? I thought you were American.“ Aber immerhin freute ich mich sehr, nach meinen ersten Roadtrip-Wochen für ein paar Tage zurück nach Arizona zu kommen und mit meinen Ex-NAU-Mates die Gegend rund um Tucson (man sagt „Tiusoon“, was mir bisher niemand schlüssig erklären konnte. Eigentlich müsste das doch „Tagsen“ heissen, nicht?) zu erkunden.

Tucson – die Stadt, in der vor ein paar Wochen ein Irrer wild um sich schoss, 13 Menschen tötete und für internationale Schlagzeilen sorgte, weil unter den Opfern auch eine US-Polikterin war – ist eine langgezogene, typische US-Kleinstadt mit der ganzen Palette an Billig-Hotels, Schnellimbiss-Restaurants und Supermärkten. Die Stadt selbst ist kaum erkundenswert, im Gegensatz zum Saguaro National Park, der die Stadt mit einem westlichen und einem östlichen Teil umrahmt. Benannt ist er nach den riesigen Saguaro Kakteen, für die Arizona berühmt ist. Gemeinsam mit Carmen, David, Glenn und Marco bin ich durch die Kakteenfelder geschlendert und habe die Statussymbole meines Homestates bewundert. Stachlig, but beautiful…





Ich komme trotz all den wunderbaren Landschaften und Orten, denen ich hier in den USA begegne, nicht umhin, das tragische Zeitgeschehen mitzuverfolgen. Wenn ich den Eindruck erwecke, unbekümmert über die Ereignisse in Japan oder die Revolutionen im arabischen Grossraum hinwegzuschauen und ab all der Schönheit der amerikanischen Landschaft die Welt rund um mich zu vergessen, dann täuscht das. Ich bleibe am Ball, so gut ich das mit den mir zur Verfügung stehenden Medien kann. Doch irgendwie glaube ich, dass es nicht angemessen wäre, das Weltgeschehen auf insideusa.ch immer up to date zu kommentieren.

Doch, gerade heute gab mir die Tsunami-Katastrophe im Pazifikraum viel zu denken. Ich habe auf CNN einen Bericht über die Ankunft der Wellen auf Hawai’i gesehen. Die Region rund um Kailua-Kona auf der Big Island wurde offenbar komplett überflutet. Auf CNN haben sie Bilder der heranrollenden und überschappenden Wellen gezeigt, die auf die glücklicherweise evakuierten Häuserzeilen entlang den Stränden zudonnerten und Autos, Masten und Bäume ummähten. Kailua-Kona, das ist jene Region, in der ich vor vier Wochen am Strand campierte. Ich bin froh, aus sicherer Ferne von der Gewalt der Tsunami-Wellen erfahren zu haben. Dennoch wäre es trotz der tragischen Situation in Japan und auf Hawai’i faszinierend, jetzt auf der Big Island Insel zu sein: der Kilauea Vulkan, durch dessen Krater ich auf der Big Island wanderte, brodelt und speit im Moment offenbar heftig. Ethan Tweedie, den ich auf einer Island-Tour in Hawai’i kennenlernte, hat das in einem genialen Foto festgehalten. Hier der Link zum Bild (einmal runterscrollen, dann seht ihr es).

Bis bald, und lasst von euch hören!

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