Bits and Pieces

Vorspann: Ich habe den untenstehenden Eintrag vor etwa einer Woche verfasst und kam vor meiner heldenhaften Laptop-Tat leider nicht mehr dazu, ihn aufzuschalten. Das Laptop-Problem hat sich inzwischen aber in wundersamer Weise von selbst gelöst und dem Bloggen steht nichts mehr im Weg. Ich versuche, meinen Rückstand in den kommenden Tagen aufzuholen. Dig in!

Ich und Engel? Das ist bekanntlich kein sehr guter Match. Nun, wie bekannt das ist, weiss ich gar nicht. Ich kanns auf diesem Weg aber offiziell bekannt machen: ich und Engel, das ist kein sehr guter Match. Nicht, dass ich etwas gegen die fantastische Vorstellung geflügelter Wesen hätte, die für uns zum Rechten schauen und sich als Schicksalshüter in unsere Dienste stellen. Nur scheint mir die Existenz solch himmelgesandter Wunderwesen leider zweifelhaft. Anyway; dass ich und Engel kein sehr guter Match sind, hat sich mir bei meinem ersten Besuch in LA, der City of Angels, bestätigt. Ich habe mich unwohl gefühlt an diesem Ort, an dem annähernd so viele Menschen wohnen wie in der Schweiz, der 24/7 blinkt und smogt und heult und der  die gesamte Fläche zwischen den kalifornischen Sierras und der Pacific Coast für sich in Anspruch zu nehmen scheint. LA war mir ungeheuer.

Doch, manchmal ist es lohnenswert, sich von ersten Eindrücken nicht beeindrucken zu lassen und den Orten und Dingen eine „zweite Chance“ zu geben. Und so habe ich vor ein paar Tagen schweren Herzens die zentralkalifornische Küste gegen Süden hin verlassen und mich ins Verkehrsgetümmel von Los Angeles gestürzt. Den ersten Halt machte ich in der „Ronald Reagan Library“, einem topmodernen und wunderschön in den Santa Monica Hills gelegenen Museum, das den Ex-Präsidenten in allen nur erdenklichen Tönen in den Himmel ehrt und lobt. Der Patriotismus in den Museumshallen war fast unerträglich intensiv, die Ikone Reagan kommt besser weg, als sie das meiner bescheidenen Einschätzung nach verdient hätte. Doch, in einer Zeit, in der die Menschen in diesem Land ihren um Fortschritt im Gesundheits- und Sozialwesen bemühten Präsidenten als sozialistisch verblendeten Anti-Amerikaner betrachten, kommt das konservative Cowboy-Idol Reagan wieder in Mode. Ich habe in den letzten Tagen dutzende von Autos mit „I WANT REAGAN BACK NOW“-Aufklebern gesehen. Anyway, das Museum war trotz allem einen Besuch wert. Besonders wegen der Airforce One (das Flugzeug wurde nach Präsident Bush durch ein neues ersetzt), die in einem Glaspavillon ausgestellt ist und die man sich auf einem geführten Rundgang ansehen kann.

Zweiter Halt war das Palms Boulevard in Venice Beach, wo die Ganzoni Family (Verwandte meiner Freundin) wohnen. Donna, Nick, Jackie und Jonas haben mich während meinen LA-Tagen herzlichst bei sich aufgenommen und meinen Verdacht bestätigt: jeder Ort, sogar der Moloch Los Angeles, wird sympathisch, sobald man von netten Menschen umgeben ist, die sich einem annehmen und sich um einen kümmern. Thank you, Ganzonis (don’t worry, I’m working on some English posts… stay tuned!). LA müsse man in „bits and pieces“ geniessen, riet mir Nick. Einen Gesamtüberblick gäbe es nicht. Und so pickte ich mir ein paar Stadtquartiere aus dem Mega-Town raus und tauchte ein…

Venice scheint mir nach fünf Tagen in LA der mit Abstand schönste Stadtteil zu sein. Der direkte Meeranschluss, der lange Strand mit all seinen ausgeflippten Shops und Künstlern, die Palmen-gesäumten Quartierstrassen, die Restaurant-Szene und die Venice Canals (eine moderne architektonische Interpretation des italienischen Venezia) tragen zum gemütlichen Vibe des Stadtteils bei…


Der Beach selbst ist eine sympathische Freakshow, gespickt mit bettelnden Punks, musizierenden Hippies, Medical Marihuana Dealern (Hash ist in Kalifornien illegal, ausser der „Doctor“ verschreibt es einem als medizinische Substanz. Das entsprechende „Arztzeugnis“ kann man sich direkt am Strand kaufen) und allerlei alternativen Artists…


Nach meinem ersten amerikanischen Kirchgang (dem intensive und gute Diskussionen mit meinen beiden Mit-Kirchgängern Donna und Nick folgten) nahmen mich die Ganzonis mit auf die Baldwin Hills, eine grüne Insel inmitten der Stadt, von der aus man die ganze City, von den Hollywood Hills bis nach Downtown, überblicken kann…

Den dritten LA-Tag verbrachte ich spazierend im Downtown-Gebiet. Sightseeing Highlight war wohl die Walt Disney Music Hall, die mich sehr an die Konzertbühne im Millenium Park in Chicago erinnerte. Wenn ich so zurückdenke, dann scheint mein Besuch in der Windy City Jahre zurückzuliegen… Anyway. Interessant ist auch die Cathedral of our Lady of the Angels. Die Orgel, finde ich, ist sehr amerikanisch. Die Waffen (oder Orgelpfeifen) sind gezückt, als ob man Eindringlinge in allen Tonlagen fernhalten möchte. Eigentlich könnte man da auch sagen, die Orgel sei sehr schweizerisch. Auf jedenfall schienen mir die aggressiven Orgelpfeifen erwähnenswert. Etwas unheimlich war es mir beim Spaziergang entlang der San Pedro Street, wo sich hunderte von Obdachlosen niedergelassen haben, wo Menschen in langen Schlangen vor den Missionen stehen und auf ein Essens-Paket hoffen, und wo sich drei mir im potentiellen Nahkampf wohl überlegene Afro-Amerikaner sehr für meine Kamera interessierten…




Der Point Dume State Park nördlich von Malibu schien mir am vierten Tag ein guter „Fluchtpunkt“, um mich ein wenig vom Grossstadtlärm zu erholen. Vom Strand aus habe ich Delfine gesehen, die sich mit allerlei Vögeln an einem Fischschwarm (so nehme ich an) sattfrassen. Die „Doppeltaube“ auf Bild 5 hat mich an die „New York Trilogy“ von Paul Auster erinnert. Ich werde darauf zurückkommen…


Am letzten LA-Abend schaute ich mir mit Jonas und Nick im Staples Center das NBA-Game der LA Clippers gegen die Houston Rockets an. Im Gegensatz zu meinen Erfahrungen mit American Football und Baseball hat mir das NBA-Game ausgesprochen Spass gemacht. Bald bin ich ja in Miami. Und vielleicht kann ich meiner dortigen Begleitung ja einreden, dass sie mich an ein Spiel der Miami Heat (dem Star-Team der Saison) begleitet… Genial war die Ausstellung „Extreme Exposure“ im Annenberg Space for Photography. Das Museum zeigt zur Zeit Wildlife- und Landschaftsbilder von fünf Top-Fotografen. Wer will, kann sich praktisch die ganze Ausstellung auch online ansehen (hier der Link). Klickt euch rein, es lohnt sich! Seit meinem Besuch im Annenberg Space weiss ich übrigens, dass es offenbar doch möglich ist, den aufgehenden Mond so zu fotografieren, dass man die Kraterkonturen UND die irdische Landschaft klar sieht. Da habe ich also noch etwas zu tun… Weniger genial war die Ausstellung zur Evolutionstheorie im „Biggest Dinosaur of the World“, die ich mir auf meinem Weg Richtung Arizona angeschaut habe. Die Aussteller versuchen den Besuchern in „scientific articles“ klar zu machen, dass Menschen und Dinosaurier vor 6’000 Jahren ko-existierten und dass die Darwinsche Evolutionstheorie grundsätzlich falsch und abzulehnen sei. Ich hoffe, dass diese irren Ideologien bald aussterben…

What’s next? Ich bin on the way back to Arizona. Bis bald und macht’s gut…

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2 Antworten zu Bits and Pieces

  1. Ursula schreibt:

    Nochmals hoi
    du hast mal versprochen auf deiner „Map“ die Stationen deiner Reise einzutragen. Wär noch spannend zu sehen wie/wo deine Reiseroute abläuft.
    Vielen Dank
    Es Grüessli
    Ursula

  2. Ursula schreibt:

    Hoi Samuel
    Wunder gibt’s ja doch noch, oder immer wieder? Bin froh, dass dein Lapi wieder funktioniert und du weiter schreiben kannst.
    Heb sorg und machs guet
    Liebe Grüsse
    Ursula

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