Texas, Lex & Interstate

Lex und ich sind Nachbarn hier in den USA, mindestens im wortwörtlich weiteren Sinne des Wortes. Als klassische „Noch Buure“ – jene eidgenössischen Farmer, deren Ländereien aneinander grenzten (das macht etymologisch doch Sinn, auch wenn ich nicht weiss, ob ich da richtig liege) – gehen wir wohl nicht durch. Immerhin aber wohnen wir an der selben Strasse, läppische 877 Meilen (1411 Kilometer) voneinander entfernt. Lex, dem ich vor rund elf Jahren in einem Pausenplatz „Kampf“ an der Bez Wohlen zum ersten Mal begegnet bin, hat eine lange Karriere als El Mosquito-Begleiter, Liebesbrief-Überbringer, Cello-Organisierer, Mit-Türsteher, Frankreich-Roadbuddy und Diskussions-Partner (einer der harten Sorte) hinter sich. Kurz; Lex ist ein guter Freund, ein richtig guter.

Daher, dachten wir uns, könne es doch nicht sein, dass wir beide in den USA studieren und einander während dem Semester dann doch nie sehen. Am vergangenen Wochenende habe ich mich also in meinen Subaru gesetzt und bin neuneinhalb Stunden Richtung Osten gefahren. Lex und Andrea, seine Freundin, taten es mir gleich, nur in entgegengesetzter Richtung. Neuneinhalb Stunden (oder 1004 Kilometer) an einem Tag, das tönt nach viel. Habe ich mir auch gedacht. Meine australischen Mitstudenten haben mir aber versichert, dass das keine Sache sei und dass ich mir da bloss keine Sorgen machen soll. Als vorwiegend zugfahrender Schweizer ist einem aber doch nicht ganz wohl beim Gedanken an neuneinhalb Stunden Autofahrt, alles auf dem gleichen Interstate Highway, durch eine sich kaum verändernde, wenn auch wunderschöne Landschaft, fast immer gerade aus. Ich habe mich deshalb bei Safeway mit allerlei Energieriegeln und Energy-Shots eingedeckt (die ich jedoch nicht anrührte) und mir bei Starbucks zwei grosse Becher Kaffee gekauft. Ebenfalls mit von Partie: George W. Bush, der mir ab Hörbuch aus seiner eben erschienen Autobiografie „Decision Points“ vorlas und mich nicht nur wachhielt, sondern auch immer wieder zum Lachen, zum Grübeln und ab und zu in Rage brachte.

Die neuneinhalb Stunden hinter dem Steuer vergingen wie im Flug. Die Interstate 40 war nicht sehr busy und mein Subaru hat mich einmal mehr von seinen Qualitäten als Roadtrip-Auto überzeugt. Ich fuhr durch den nördöstlichen Zipfel Arizonas, über die steppenartigen Weiten New Mexicos (mit wunderbarem Sonnenuntergang, den ich im Rückspiegel mitverfolgte) und hinein in den Texas Panhandle (den nördlichsten Teil des riesigen Bundesstaates). Ich traf Lex und Andrea vor den Eingangspforten des „Big Texan Steakhouses“ in Amarillo. Das Steakhouse macht schon kurz nach Flagstaff mit riesigen Werbetafeln entlang dem Highway auf sich aufmerksam. Wer richtig Hunger hat, kann sich das 72 oz Steak (gut zwei Kilogramm Fleisch) mit Side-Dishes bestellen. Wer das ganze Menu innerhalb einer Stunde verdrückt, bezahlt nichts dafür. Aber, keine Angst. Schliesslich will ich all jene gutmütigen Seelen, die mein Comeback-Gewicht an meiner Abschlussparty Ende Juli auf die hohen 80er schätzten, nicht enttäuschen. Also kein 72 oz Steak.

In unseren gemeinsamen zwei Tagen in Texas schauten wir bei der ziemlich schrägen Cadillac Ranch (ein Top Ten Lonelyplanet Reisetipp) vorbei, besuchten den Palo Duro State Park (Heimat des zweitgrössten Canyons der USA) und genossen die Abende mit mexikanischem Gourmet-Food und Premium Margaritas. Kleines Highlight war der Videodreh im Texas Cowboy Stadium für Lex’s Bewerbung für das „Next Beni“-Casting des Schweizer Fernsehens, das auf diesem Weg nach einem neuen Sportmoderatoren sucht. Wir sind natürlich guter Hoffnung, dass Lex zum Next Beni gekürt wird, trotz wackliger Kameraführung und windigen Hintergrundgeräuschen.

Im Folgenden ein paar Eindrücke unseres Weekends im Texas Panhandle. Und… ja, das ist mein Subaru, der da so Bilderbuch-Würdig durch den Fluss braust. Und, ja, es ist legal, die in den Boden gerammten Cadis auf der Cadillac Ranch zu besprayen…






Die neueneinhalbstündige Rückfahrt, übrigens, verlief problemlos. Ich habe mich über den wiederum wunderbaren Sonnenuntergang in New Mexico (diesmal nicht nur im Rückspiegel) gefreut, mich über eine Talksendung am Radio aufgeregt, in der Intelligent Design als das neue Kronjuwel der modernen Wissenschaft angepriesen wurde und den beiden Damen an der Tankstelle in Tucumcari, New Mexico, erklärt, dass Switzerland nicht – wie sie meinten – eine Versicherung sei, sondern ein kleines, widerspenstiges Land im Zentrum des old continents.

So long…

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